VERKAUFSVERBOT MIT HINTERTÜR

VERKAUFSVERBOT MIT

Warum man das Samsung Galaxy noch immer kaufen kann

Düsseldorf (dapd). Es wirkt auf den ersten Blick verblüffend: Seit Wochen ist dem koreanischen Elektronikkonzern Samsung durch eine einstweilige Verfügung der Verkauf seines iPad-Rivalen Galaxy Tab 10.1 in Deutschland untersagt. Doch wer das nach Auffassung des Düsseldorfer all zu sehr am Apple-Design orientierte Gerät unbedingt haben will, kann es noch immer recht problemlos finden.

Laut Düsseldorfer Landgericht zu ähnlich: iPad und Galaxy Tab (l.). Foto: dpa [ rpo ]

Zwar heißt es im T-Online-Shop kurz und knapp: “ derzeit nicht lieferbar”. Und auch der Schwab-Versand meldet “leider ausverkauft”. Doch beim Internetkaufhaus Amazon wird man auf der Suche nach dem Gerät rasch fündig. Der Mobilfunkriese Vodafone bietet das Gerät online ebenfalls an. Und auch beim Elektronikhändler Media-Saturn gab es in den vergangenen Tagen noch einzelne Geräte.

Tatsächlich hat das Verkaufsverbot für den iPad-Konkurrenten eine Hintertür. Denn es gilt nur für Samsung. “Andere Händler sind vom Verbot nicht betroffen”, erläuterte am Freitag der Düsseldorfer Gerichtssprecher Peter Schütz. Sie können also vorhandene Bestände in aller Ruhe abverkaufen und – wenn sie wollen – auch beliebig viele neue Exemplare des Galaxy Tabs aus dem Ausland importieren und vertreiben.

“Konsumenten von dem Urteil nicht betroffen”

Käufer des Galaxy Tabs müssen auch kein Gewissen haben, ein Kaufverbot gibt es nicht. “Konsumenten sind von dem Urteil nicht betroffen”, betonte Schütz.

In dem nun schon seit andauernden Rechtstreit zwischen den Elektronikherstellern Apple und Samsung ist die Entscheidung des Düsseldorfer Landgerichts deshalb auch nur ein Etappensieg. In der ohnehin als klagefreudig bekannten Branche wird zurzeit mit besonderer Erbitterung gekämpft.

Seit Monaten überziehen sich Apple und Samsung gegenseitig mit Klagen. Apple wirft dem südkoreanischen Konkurrenten vor, seine Kultprodukte iPhone und iPad mit der eigenen Galaxy-Serie dreist kopiert zu haben. Samsung beschuldigt Apple im Gegenzug vielfacher Patentverletzungen.

Patente als Waffen

Der Hintergrund: Im Augenblick wird der boomende neue Markt für Smartphones und flache tragbare Computer, die Tablet-Rechner, verteilt. Er wurde von Apple durch die Kreation des iPhone und des iPad fast im Alleingang geschaffen.

Doch sieht sich der Konzern aus Kalifornien zumindest bei Smartphones inzwischen wachsender Konkurrenz gegenüber. Asiatische Konzerne wie Samsung oder der taiwanesische Hersteller HTC, die vor allem auf das -Betriebssystem Android setzen, gewinnen immer größere Marktanteile. Um seine Marktposition zu verteidigen, ist der Konzern aus Cupertino immer wieder auch auf Hilfe von angewiesen.

Dabei trägt der Streit zwischen Apple und Samsung auch Züge eines Stellvertreterkrieges. Denn längst heißt Apples nicht mehr Samsung oder HTC, sondern Google, dessen Betriebssystem Android auf immer mehr Smartphones und Tablet-PCs läuft. Einzig Microsoft mit seinem Handy-Partner Nokia scheint Apple und Google in nächster Zeit im Smartphone-Bereich noch Konkurrenz machen zu können.

Jeder verletzt Patente des anderen

Wichtigste und Währung im Streit zwischen den Mobilfunkkonzernen ist dabei die eigene Patentbibliothek. “Es ist ein offenes Geheimnis, dass jeder in irgendeiner Weise die Patente des anderen verletzt”, schrieb kürzlich das britische Wirtschaftsmagazin “Economist”. Dies führe in der Regel dazu, dass die Rechtstreitigkeiten am Ende durch wechselseitige Lizenzabkommen beendet würden und nur wenig Geld den Besitzer wechsle.

Google war hier bislang allerdings in einer schwachen Position. Denn als Neueinsteiger im Mobilfunkgeschäft verfügte der Internetriese über Patente, um sein Betriebssystem Android vor den Klagen der Konkurrenten zu schützen. Doch das ist Vergangenheit.

Mit dem 8,6 Milliarden Euro teuren Kauf des Handyherstellers Motorola sicherte sich Google rund 17.000 Patente des Mobilfunkpioniers und damit eine wirksame Waffe gegen Apple und Microsoft. Der Kampf kann also weitergehen.

via Warum man das Samsung Galaxy Tab noch immer kaufen kann | RP Wirtschaft.

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