CES 2012: OLED-, 3D- und Spiel-TVs – Hype oder viel Lärm um nichts?
CES 2012 Nachlese: OLED-, 3D- und Spiel-TVs – Hype oder viel Lärm um nichts?
Ein Fernsehbild sagt mehr als 1.000 Worte: Deswegen pflasterten Samsung und LG die Eingänge ihrer Messestände mit neuen OLED-Displays zu. Doch was können die neuen Superfernseher wirklich? (Roland Austinat, 17.01.2012)
Dünner, schwärzer, leichter: Für viele Experten gehört den organischen LEDs (OLEDs) die Zukunft des Fernseher- und Displaymarktes. Allerdings gibt ein OLED-Display weniger Licht als ein vergleichbarer LCD-Bildschirm ab – auch, wenn es in dunkleren Räumen einen höheren Kontrastgrad erreicht. Samsung und LG nutzen die Gunst der kontrollierten Schummerigkeit auf ihren CES-Ständen, um die Augen der Messebesucher mit einer Batterie aus OLED- Fernseher anzulocken.
Bei Samsung lief auf einem Rudel von 55-Zoll-OLED-TVs ein kurzer Demofilm in der Dauerschleife, der Kurzvideos und Standbilder von Naturaufnahmen und Kunstwerken darstellte. Durchaus beeindruckend, doch wie im Einzelhandel war die Farbsättigung der Bildschirme so hochgedreht, wie es am Ende im Wohnzimmer nie und nimmer aussehen wird – es sei denn, man wirft nach dem Kauf die Anleitung und Fernbedienung weg und verzichtet auf eine Farbkalibrierung des Fernsehers. Dünn sind die Geräte aufgrund der OLED-Technologie natürlich schon, keine Frage – oft ist der Standfuß beziehungsweise dessen Montageplatte auf der TV-Rückseite dicker als der eigentliche Bildschirm.
LG setzte bei den hauseigenen 55-Zoll-OLED-TVs dagegen voll und ganz auf 3D. Prinzipiell keine schlechte Idee, doch ohne eine 3D-Brille sehen die Bildschirme und davon geschossene Fotos beziehungsweise Videos nun mal eher bescheiden aus. Auch die Marketingexperten von LG hatten wohl keinen guten Tag, denn nach eigenen Angaben war der LG-OLED-Bildschirm mit vier Millimetern dünner als ein iPhone und damit der flachste TV der Welt. Doch davon kündete nur ein kleines Papierschild und ein eher auf den letzten Drücker montiertes iPhone am Rand der Gerätebatterie.
Samsung stellte obendrein noch Smart-TVs mit Sprachsteuerung vor, die mehr schlecht als recht funktionierte, obwohl sie angeblich von den israelischen Entwicklern des Microsoft’schen Kinect stammen sollte. Einen 70-Zoll-4HD-Bildschirm hatten die Koreaner ebenso im Angebot wie ein 75-Zoll-Gerät – wohl dem, der Geld und Platz für einen 1,90 Meter großen Fernseher hat. LG wollte sich da nicht lumpen lassen und setzte mit einem 84-Zoll-LCD-Monstrum (2,13 Meter Bilddiagonale!) in “Ultra Definition” alias 4HD mit 3.840 mal 2.160 Bildpunkten eins drauf. Leider wieder nur in 3D-Ausführung, so wie auch bei den OLED-Geräten.
Darüber hinaus setzt der Elektronikriese stark auf 3D- und Spielanwendungen: In einem Renncockpit lief Need for Speed Shift auf einem 3D-Monitortrio, auf einem Smart-TVs lief ein grafisch eher bescheidenes 3D-Diskusspiel, gesteuert über die “Magic Remote” und Gestensteuerung – ebenso wie ein weiteres, gestengesteuertes Ballspiel. Interessanter schon das, was nebenan zu sehen war: Street Fighter 4 und Darksiders, beide aus der Cloud auf den Fernsehbildschirm gebracht. Das ist gar nicht mal unspannend, denn hinter LGs Cloud-Gaming steckt David Perrys Spiele-Streaming-Dienst Gaikai, der wie OnLive separate Spiele-PCs oder -konsolen langfristig abschaffen will. Außerdem mixte ein “Dual Play”-Display zwei Vollbildansichten von Spielen wie Halo oder Need for Speed: Shift, die dann mit entsprechenden Brillen für die beiden Spieler sichtbar werden. Zuschauer haben allerdings das Nachsehen oder müssen sich mit zusätzlichen Brillen für einen der beiden entscheiden.
Ob und wie schnell sich OLED-, 3D- und Spiele-TVs beider Hersteller allerdings durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Gerade der Hype um 3D-Fernseher hat sich in den letzten Monaten doch erheblich gelegt – die durch den Erfolg des James-Cameron-Streifens Avatar ausgelöste Begeisterung scheint sich als ein Strohfeuer zu entpuppen. Und wie viel mehr die Kunden im umkämpften TV-Markt für eine Gaikai-Lizenz hinblättern wollen, bleibt ebenso fraglich wie die Qualität namenloser Geschicklichkeitsspiele, die es so schon seit Jahren auf Nintendos Wii-Konsole gibt.
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