Das Ende der Fernbedienung
Das Ende der Fernbedienung dank Samsung: TV-Hersteller revolutionieren Wohnzimmer auf der CES 2012
Smartphones sind der Untergang der TV-Geräte – zumindest in der Form, in der wir sie heute kennen. Die großen Flachbildfernseher werden zwar auch zukünftig die heimischen Wohnzimmer dominieren, doch unter der Haube werden die Geräte aus technischer Sicht den jetzigen Smartphones und Tablets immer ähnlicher. Und auch das Ende der Fernbedienung naht dank der kommenden ES8000-Serie von Samsung. (Lars Craemer, 13.01.2012)
Wie können wir dem Kunden Mehrwehrt bieten und gleichzeitig mehr Umsatz generieren? Diese Fragen stellen sich die großen TV-Hersteller vermutlich schon seit Jahren. Einfach nur mehr Umsatz ist nicht drin, da die Preise für große Flachbildfernseher in der Einsteiger-Klasse mittlerweile auf ein Niveau gefallen sind, bei dem man kaum noch auf hohe Margen hoffen kann. 3D ist zwar die Technik der Zukunft, doch die meisten Kunden werden frühestens in den nächsten Jahren die dreidimensionale Darstellung auch wirklich nutzen. Wie schafft man es also, dem Kunden mehr für sein Geld zu bieten und gleichzeitig eine ganz neue Phalanx an Marketing-Phrasen auf dem Markt zu etablieren?
Bevor wir zur Anwort kommen, ein wichtiger Zwischenstop auf dem Weg dahin: Die kommenden Samsung Fernseher der ES8000-Serie sollen Umschalten, Anwendungen auswählen, Ton und Bild einstellen – durch Zuruf oder Bewegung. Ein Schelm, wer an Kinect denkt. Die Fernseher haben Kameras und Mikrofone und erkennen damit Gesten und Spracheingaben. Auch Gesichter werden erkannt, jeder Zuschauer kann sein eigenes Programm bekommen.
Die Antwort ist an sich naheliegend und mit sehr wenig Risiko und auch geringen Investitionen behaftet – Smartphones und Tablet-PCs. Doch was haben die mobilen Alleskönner mit dem Fernseher gemeinsam? Bislang noch nicht viel, doch für die Hersteller ist es keine große Herausforderung, die günstigen SoC-Bauteile aus Smartphones in einen Fernseher zu integrieren. Schon jetzt sind die kleinen Smartphone- und Tablet-Chips so leistungsstark, dass 1080p-Ausgaben in Full HD am heimischen Bildschirm via HDMI-Kabel keine Herausforderung mehr sind. Auch die Kommunikation mit dem Internet oder Heimnetzwerk ist durch bereits vorhandene WLAN-Bauteile kein Problem. Mit Android und iOS stehen Herstellern wie Google und Apple darüber hinaus bereits sehr modulare Betriebssysteme zur Verfügung, die mit wenig Aufwand an die Hardware moderner Fernseher angepasst werden kann. Und auch mit den etablierten App Stores kann man bereits die Software der Smartphones und Tablets auf den Fernseher zaubern – vorausgesetzt, in diesem schlägt ein Rechenherz des Smartphone-Zeitalters.
Doch hinter den Kulissen schmieden die großen Content-Hochburgen bereits lukrative Angebote, die Filme, Videos und Musik auch auf die großen Bildschirme in unser Wohnzimmer bringen. Technisch keine Herausforderung, letztendlich müssen nur die benötigten Verträge mit den Rechteinhabern geschlossen werden. Diese haben mittelfristig ohnehin keine Wahl, die Verhandlungen drehen sich nur noch um den Preis. Wer sich dem Cloud-Markt verweigert, verweigert sich einem exponentiell wachsenden Markt. Und Umsatz lockt am Ende des Tages jeden Hund hinter dem Ofen hervor.
Bereits auf der diesjährigen CES in Las Vegas haben die großen TV-Hersteller eine Ausblick auf die Zukunft gegeben und auch das Apple-Gerüchtelager ist um Vorhersagen rund um moderne TV-Ansätze von Apple nicht verlegen – iTV wird noch für dieses Jahr erwartet. Dabei handelt es sich vermutlich um einen großen Monitor oder Fernseher samt iPad/IPhone-Innenleben – natürlich ohne die Mobilfunk-Module, aber mit iTunes und iCloud im Gepäck. Und mit Siri hat Apple auch eine durchaus ausgereifte Sprachsteuerung im Gepäck. Zukünftig kann der Filmliebhaber also auf Fernbedienungen verzichten und alle Eingaben mit seiner Stimme erledigen. Und wenn das TV-Programm nervt, wird halt kurzerhand ein Film aus iTunes gekauft. Die Frage dabei ist nicht ob, sondern wann die verschiedenen Techniken mit iTV zusammengeführt werden.
Aber nicht nur die Sprache, sondern auch Gesten und Bewegungen werden immer wichtiger. Was Microsoft mit Kinect im Konsolenlager bereits exerziert, wird auch in Fernsehern mit relativ wenig technischem Aufwand kommen. Zukünftig können Sie also nicht nur mit der Stimme das Programm ändern, sondern auch mit einer Handbewegung. Von Google hört man in diesem Kontext zwar nicht ganz so gute Nachrichten, denn Google TV ist bis heute noch kein großer Erfolgt; aber auch hier wird hinter den Kulissen fleißig entwickelt.
Die Schlacht um die Gunst des Kunden im Smartphone- und Tablet-Markt dürfte angesichts der Entwicklungen im Wohnzimmer- und Content-Bereich nur ein Vorgeschmack auf die kommenden Jahre sein. Sehr spannend wird in diesem Kontext auch die Position von Microsoft werden. Mit Windows Phone 7 hat man zwar ein gutes Smartphone-OS im Angebot, doch der Xbox-Hersteller ist derzeit erst dabei, alle Plattformen zusammenzuführen. Ob man hier erneut hinter den aktuellen Entwicklungen hinterher läuft, wird die Zeit zeigen. Denn spätestens, wenn Smartphone- und TV-Chips auf dem Leistungs-Niveau heutiger Konsolen angelangt sind, wird es eng.
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